Es zeichnete sich bereits in den frühen Morgenstunden ab wie dieser Tag verlaufen würde. Am Friedhof angekommen erwartete uns bereits ein, für diesen Anlass, riesiges Polizeiaufgebot. Der Grund dafür wurde sehr schnell klar. Die letzten Jahre konnten Vertreter verschiedener nationaler Gruppen und Parteien noch ohne Probleme am städtischen Gedenken teilnehmen. Damit sollte es dieses Jahr vorbei sein.
Die pure Anwesenheit von Vertretern nationaler Kräfte, reichte den Veranstaltern diesmal aus, um nach Personenkontrollen einen weiträumigen Platzverweis durch die Polizei aussprechen zu lassen, obwohl dies eine öffentliche Veranstaltung war.
Betonung liegt auf WAR, denn man hatte sich von städtischer Seite aus überlegt, wie man alle nationalen Kräfte denn am besten vom Friedhof fernhalten könne. Dazu wurde aus dem öffentlichen Gedenken kurzerhand eine Kundgebung von Barbara Ludwig angemeldet, welche man sogar nur mit Eintrittskarte betreten konnte. Soviel Angst haben die Demokraten vor der schweigenden Wahrheit. Als Ersatz dafür, wurde uns eine eigene Kranzniederlegung von Seiten der Polizei zugesprochen, welche dann tatsächlich auch ohne weitere Vorkommnisse stattfinden konnte. Von den angekündigten Blockaden bzw. Störungen der linken Seite des städtischen Gedenkens, geschweige denn unseres Gedenkens, war weit und breit nichts zu sehen. Hätte sich doch der Friedhof wunderbar dazu geeignet, um die ganze Sache in Ruhe mit den linken Störern zu erörtern.
Nächstes Mal vielleicht.
Mit diesen Eindrücken begann dieser Tag schon einmal anders wie erwartet. Nichts desto trotz, wurden alle Vorbereitungen für den abendlichen Gedenkzug vorbildlich getroffen und man startete gespannt in Richtung Südbahnhof. Während der Lautsprecherwagen aufgebaut wurde, füllte sich der Sammelpunkt schon gut mit Leuten und alles deutete auf einen reibungslosen Ablauf hin.
Als bereits alle Vorbereitungen getroffen waren und der Trauerzug abmarschbereit war, kam die Situation ins Stocken.
Die Polizei drängte darauf unseren Marsch nicht laufen zu lassen, da wir bereits von Blockaden umzingelt wären. Da man dieser Version natürlich nicht glaubte, begaben sich einige Ordner und der Veranstaltungsleiter mit der Polizeiführung zu den angeblichen Blockaden um sich ein Bild von der Lage vor Ort zu machen. Es konnte keine Blockade bis zum Bernsbachplatz festgestellt werden und nun wurde auch dem letzten Teilnehmer die Polizeitaktik für diesen Tag klar. Sie wollen den Trauermarsch möglichst ganz verhindern. Befehl von “ganz oben”, wie mehrere Beamte verlauten ließen. Der gleiche Tenor wie früh vor dem Friedhof.
Dass dies dann doch nicht so ganz funktionierte verdanken wir dem Einsatz der beiden Veranstaltungsleiter, sowie einigen Ordnern die permanent Druck auf die Polizeiführung, den Ordnungsamtleiter, sowie den Ordnungsbürgermeister Miko Runkel ausübten und ihnen klar machten, welche rechtlichen Konsequenzen ihr Handeln haben werde, falls dieser Gedenkzug sich nicht in Bewegung setzen sollte. Vom Ausgang an diesem Abend ganz zu schweigen.
Nun kam langsam Bewegung in die Sache und die Einsatzkräfte der Polizei setzten ihre Sturmhauben unter den Helmen auf. Diese waren nicht etwa dazu da, um etwaige Blockaden zu räumen, wie sich später zeigen sollte.
Die Polizeiführung teilte uns mit, dass ein Marsch nur bis zur Lutherstraße und zurück genehmigt werde, da der Rest der Strecke blockiert werde. Wieder eine glatte Lüge, um uns die eigentliche Wegstrecke nicht laufen zu lassen. Jeder Teilnehmer konnte sehen, dass die Lutherstraße komplett frei war. Hier war wohl eine Eskalationsstrategie der Polizei vorgesehen, um unseren Marsch sofort mit Gewalt beenden zu können, welche wir aber ins Leere laufen ließen. Viele Möglichkeiten hat man auch nicht, angesichts eines Polizeiaufgebotes von 1800 Beamten. Kannte man dies sonst nur von Großdemonstrationen wie dem 1. Mai. Umso erstaunlicher, dass es diese Masse an Einsatzkräften nicht schaffte, ein paar hundert Blockierer zu räumen, aber da war ja der Befehl von “ganz oben” im Weg. Hätte man sich den Aufwand auch sparen können.
Nachdem der Marsch formiert wurde und die Auflagen verlesen waren, setzte sich der Zug langsam in Bewegung, um jedes Mal nach einigen Metern ohne Begründung zu stoppen. Auch hier zeigte sich wieder die repressive Polizeitaktik. Die vordere Reihe Polizisten, am Anfang des Gedenkzuges, lief sogar die gesamte Zeit rückwärts, nur um schnellstmöglich in unseren Zug rein springen zu können, falls dieser auch nur die kleinsten Anzeichen dazu mache, dass Demonstrationsrecht in die eigenen Hände zu nehmen. Und da dachte man bisher, es ginge nicht noch kranker in diesem BRD System.
Allen Aufforderungen und Hinweisen zur rechtlichen Situation zum Trotz, verharrte die Polizeieinsatzleitung auf ihrem Standpunkt, trotz dass die Straßen nach wie vor frei waren, welches auch in Bildern festgehalten wurde unsererseits. So fanden nun kurz vor der Einbiegung in die Lutherstraße die Kundgebungen statt und die Polizei wurde erneut aufgefordert in dieser Zeit den Weg freizugeben.
Nachdem der letzte Redner seine Worte verkündet hatte, wurden sämtliche Verhandlungen mit der Polizei abgebrochen, da sie wiederholt ins Leere liefen. Die Veranstaltung wurde nun aufgelöst. Die Teilnehmer wurden noch einmal belehrt ihre Tankbelege, sowie Zugfahrkarten den Veranstaltern zuzusenden, um die entstandenen Kosten für die An- und Abreise geltend machen zu können. Desweiteren wurde jedem nahe gelegt, doch dafür die städtischen Veranstaltungen an diesem Abend zu besuchen, um auch dort Flagge zu zeigen. Eine Option, die sich die nächsten Jahre bestimmt großer Beliebtheit erfreuen wird, wenn es so weitergehen sollte.
Durch verschiedene kreative Aktionen im Vorfeld und den großen medialen Rummel um unseren Gedenkmarsch, haben wir trotz der geringen Wegstrecke des Marsches doch eines erreicht: Die Stadt Chemnitz muss sich mit den Ereignissen jenes 5. März 1945 beschäftigen und kann dies nicht einfach totschweigen, wie es ihr am liebsten wäre und so wie es vorher war, bevor wir unser Gedenken das erste Mal durchführten. Diesen Erfolg können sie uns nicht mehr nehmen, egal wie die nächsten Jahre auch aussehen mögen. Neue Ideen wachsen bereits.
Einen großen Dank an alle Teilnehmer, sowie besonders an alle Helfer und Organisatoren. Wir bleiben treu.
In diesem Sinne:
– Die Wahrheit kann man nicht blockieren! -